Projekt Biotop am linken Reussufer in Emmen

Die Korporation Emmen besitzt entlang dem nördlichen Reussufer im Gebiet Emmen-Dorf einen schmalen Waldstreifen. Dieser sogenannte Schachenwald liegt im Reussvorland und ist durch einen Schutzdamm vom Siedlungsgebiet, resp. vom Kulturland abgegrenzt. Es bestand der Wunsch und die Bereitschaft, diesen Waldstreifen für ein Lebensraumprojekt zur Verfügung zu stellen. An ihrer GV vom 8. April 2003  hat die Korporation Emmen positiv zur Projektidee Stellung genommen und die Ausführung beschlossen. Ziel eines solchen Projektes besteht in erster Linie darin, einen Beitrag im Rahmen von ökologischen Aufwertungsmassnahmen zu leisten.

Stillgewässer im Winter in Emmen
Bild: Stillgewässer

Das Projektgebiet beginnt ca. 20 m flussaufwärts bei der Anlegestelle für Wasserfahrzeuge oberhalb des Wehrs Rathausen und geht bis zur Pumpstation der ARA Buholz.

Auenlandschaft im Reusstal

Reussufer Bild 1Vor der Begradigung der Reuss und vor der Nutzbarmachung der Uferbereiche dieses Flusses zeichnete sich das Reusstal aus durch ausgeprägte Auenstandorte, also Gebiete die geprägt waren durch die Einwirkungen des Elementes Wasser. Periodisches Überfluten aber auch temporäres Absinken des Wasserspiegels führte zu einem vielfältigen, in seinem Aussehen sich immer wieder stark verändernden Landschaftsraum. In einer solchen naturbelassenen Auenlandschaft stellt sich eine Vielfalt von unterschiedlichen Biotoptypen ein wie z.B. Weiher, Tümpel, abgeschnittene Wasserläufe, Kies- und Sandbänke, Gebüsch- und Waldstrukturen. Zahlreiche Tiere und Pflanzen nutzen diese Lebensräume, viele von ihnen sind sogar auf dieses Lebensraumgefüge angewiesen.

Situation heute

Heute präsentiert sich das Reusstal als landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich produktiver Landschaftsraum mit all seinen dörflichen, städtischen und industriellen Siedlungselementen. Von der ursprünglichen Auenlandschaft ist bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr viel übriggeblieben, damit zusammenhängend sind natürlich auch die spezialisierten Auenbewohner kaum mehr vorhanden. Noch intakte Auenwälder sind im ganzen Kanton Luzern als extrem selten zu betrachten.

Der betrachtete, bis zu 40m breite, weitgehend standortgerecht bestockte Waldstreifen im Gebiet Reuss-Schachen ist gemäss der pflanzensoziologischen Standortskartierung von 1994 den Auenwäldern zuzuordnen. Es handelt sich dabei um Zweiblatt-Eschenmischwälder in verschiedenen Ausbildungen (Einheiten 29a und 29g). Die Standorte sind zwar insofern verändert, dass keine Überflutung mehr (oder nur ganz selten) stattfindet und zudem der Grundwasserspiegel gegenüber früher weniger hoch ist. Periodisch reicht das Grundwasser auch heute noch bis in den Wurzelraum und beeinflusst den potentiell natürlichen Bestand. Dabei ist von einem artenreichen, wüchsigen und gut verjüngenden Edellaubholzstandort mit Esche und Berg-Ahorn als Hauptbaumarten, sowie Berg-Ulme, Spitz-Ahorn, Schwarz-Erle, Süss- und Trauben-Kirsche, Grau-Erle, Feld-Ulme und Buche im Nebenbestand auszugehen. Etwa zwei Kilometer nordöstlich folgen die grossen, heute mehrheitlich durch Nadelholz geprägten Waldkomplexe des Oberen und Unteren Schiltwaldes. Auch hier handelt es sich um ehemalige Auenstandorte. Vor ein paar Jahren erfolgten in einem Teil des Unteren Schiltwaldes ökologische Aufwertungsmassnahmen.

Durch das Wehr mit automatischer Regulierung sind die jährlichen Wasserspiegelschwankungen nur gering und das Reussvorland wird nur selten bei extremen Hochwassern kurzzeitig überflutet. Daher sind die Voraussetzungen für natürliche Auenstandorte nicht mehr gegeben und auch kaum mehr wieder herzustellen

Zielsetzung und Lage

Obwohl eine eigentliche Auenlandschaft nicht zu erzielen ist, besteht das Ziel des vorliegenden Projektes darin, das Element Wasser innerhalb des Waldstreifens im Gebiet Schachen vermehrt wirksam zu machen. Es wird ein Wassergraben erstellt, der die Funktion eines kleinen Nebenlaufes der Reuss übernimmt.  Das Gewässer soll möglichst schlängelnd verlaufen und an geeigneten Stellen Vertiefungen oder Ausweitungen erhalten. Der bestehende Baumbestand wird weitgehend geschont. Beim Spielplatz auf Höhe des Wehrs entsteht ein flaches Gewässer, welches zusammen mit einer Sandfläche zum Spielen dient.

Situationsplann

In der Mitte des Projektgebietes wird eine kleine Weiheranlage erstellt mit einem Zugang und einer Beobachtungsfläche für Schulen und Naturinteressierte. Beim Rückfluss des neuen Bachlaufes in die Reuss in Nähe des ARA – Pumpenhauses entstehen weitere Stillgewässer. Zudem wird das Reussufer aufgewertet durch Erstellen einer Buhne und Aushub eines Hinterwassers.

Als Begleitprojekt wird eine Verbreiterung des Radweges auf dem Schutzdamm in Erwägung gezogen. Diese Verbreiterung ist nicht Teil des Lebensraumprojektes, es können sich aber Synergien ergeben beim Bau, insbesondere bei der Verwendung von Aushub.

Ökologische Bedeutung

Der originale Zustand des Projektgeländes wäre eine Flussaue mit Altläufen, welche bei Hochwasser geflutet würden und einer entsprechenden Dynamik mit Anlagerungen von Sand und Geschiebe und Pionierpflanzen. Dieser Zustand lässt sich nicht mehr erreichen. Begrenzungen durch den Hochwasserdamm und die Regulierung der Reuss durch das Wehr verunmöglichen einen klassischen Auen-Standort. Zudem ist der Schachen mit wichtigen Strukturen für die Naherholung ausgestattet, welche bei einer Auen-Dynamik ebenfalls nicht aufrecht erhalten werden könnten.

Ein offener Bachlauf erlaubt zumindest eine Aufwertung des Gebietes. Der Bach kann als Lebensraum für verschiedene Bachbewohner wie zum Beispiel Insektenlarven (Köcherfliegen, Steinfliegen), Bachflohkrebse, Wasserasseln, Schwimmkäfer, Groppen und Neunaugen dienen. Die Pflanzenwelt profitiert durch die neuen Gewässer, weil dem noch vorhandenen, standortgerechten  Auen-Wald wieder vermehrt Wasser zufliesst.

Die geplanten Stillgewässer bieten Raum für Amphibien, Wasserschnecken, Insekten ( Libellen etc ) und Wasserpflanzen. Die offenen Wasserflächen sind auch als Bienentränke und Jagdrevier für Vögel und Fledermäuse wertvoll.

Durch Ausholzen und Schaffung eines gestuften Waldrandes im Bereich der Stillgewässer entstehen neue Standortbedingungen für die Flora. Bodenbürtige Pflanzen wie Spierstauden, Bachnelkwurz, Aronsstab, Salomonssiegel, div. Seggen und Binsen können sich ansiedeln.

Der Bau einer Buhne mit Hinterwasser verändert das sehr gleichförmige Strömungsprofil der Reuss in diesem Bereich. Obwohl sich der Standort eigentlich in der Trockenstrecke des Flusses befindet zwischen Ableitung Kraftwerkskanal und dessen Rückleitung unterhalb des Kraftwerkes, kann eine Verbesserung der Situation für Fische erzielt werden. Das Hinterwasser dient als Laichplatz und Schutz bei Hochwasser für Jungfische, vor allem für Aeschen.

Die Vernetzung mit ähnlich strukturierten Gebieten ist vorläufig noch gering. Durch den Schachen – Wald kann aber eine Verbindung mit dem Gebiet des oberen und unteren Schiltwaldes erfolgen. Im Schiltwald – Gebiet liegt ebenfalls noch Potenzial offen zur naturnahen Gestaltung. Das angrenzende Landwirtschaftlich genutze Wiesland wird mittel – intensiv genutzt. Bestrebungen der Landwirte, ihre Oeko – Ausgleichsfläche in die Nähe des Projektgebietes zu platzieren, laufen bereits.

Landschaftliche Bereicherung

Die Realisierung dieses Projektes bedeutet auch eine landschaftliche Aufwertung. Entlang des Reussufers verläuft ein stark frequentierter Wanderweg. Somit besteht Gelegenheit die Standorte „kleine Fliessgewässer“, “Weiher“ und „Hinterwasser“ der Bevölkerung näher zu bringen und diese dadurch auch für naturnahe Flächen zu sensibilisieren.

Landschaftliche Bereicherung

Durch gezieltes Auslichten entsteht eine reichhaltige Flora, zum Beispiel mit Spierstauden, Pestwurz, Farnen, aber auch Trollblumen, Bachnelkwurzw u.a.m.

Umwelterziehung

Im Rahmen des Projektes entstehen Stillgewässer, welche der Naturbeobachtung dienen. Eine kleine Gruppe von Stillgewässern mit samt dem zugehörigen Bachlauf wird mit Beobachtungsstellen ausgerüstet. Dies kann mit kleinen Holzstegen und eingeschotterten Flächen geschehen. Damit entsteht in direkter Nähe von Schulhäusern ein artenreiches Feuchtbiotop. Durch gezielte Anlage eines Beobachtungsweihers wird die übrige Uferlandschaft entlastet. Beobachtungen konzentrieren sich an diesem Ort.

Spielplatzgestaltung

Der bestehende, beliebte Spielplatz wird mit dem Element Wasser bereichert. Ein offenes Wasserbecken mit Abgrenzungen durch Natursteine und mit sandigen Ufern ergibt einen attraktiven Spielplatz. Zur Sicherheit werden die offenen Wasserflächen mit Steinschüttungen und Trockenmauern von der Zone mit Spielgeräten abgetrennt.

Beim Spielplatz wird das offene Gewässer dem Hochwasserdamm entlang geführt. Zwischen Spielplatz und Gewässer soll eine Abgrenzung errichtet werden, auch aus Sicherheitsgründen. Diese Abgrenzung wird als Trockenmauer und Steinlesehaufen ausgeführt. Steinhaufen regen auch zum Spielen an im Sinne von „Baustellen“. Die Böschung des Dammes wird mit einem Steinverbau gegen Erosion befestigt.

Ein offener Weiher mit einem Sandspielplatz bereichert das Erlebnis- und Spielangebot auf dem Spielplatz. Der Weiher von ca. 50 m² Wasseroberfläche wird durch einen Abzweiger des Bachlaufes gespiesen. Das Spielplatzgewässer wird max. 40 cm tief. Die Sohle besteht aus Rundkies und Steinplatten. Der Aushub für den Spielplatzweiher und Umgebung beträgt ca. 100 m³ und wird an den Dammweg geschüttet.

Zwischen Spielplatz und Weiher wird eine Trockenmauer errichtet zur Abgrenzung und zur Sicherheit bezüglich Kleinkindern. Es werden Sitzgelegenheiten in die Trockenmauer integriert.

Waldbach

Die nachfolgenden zwei Zeichnungen zeigen die schematische Ansicht eines Waldbachs mit anschliessender Zeichnung des Querprofils (aus: Patt, Jürging, Kraus, Naturnaher Wasserbau). Ein ähnliches Bachlauf-Profil soll in diesem Projekt zur Anwendung gelangen.

Waldbach
Waldbach Querprofil

Weiheranlage

In der Mitte des Projektgebietes wird eine Weiheranlage mit Beobachtungsstellen eingerichtet mit zwei Stillgewässern mit rund 250 m², resp. 80 m². Die Weiher sind flachufrig ( Böschungen 1: 3 bis 1: 4 ) und max. 1.5 m tief.

Artenförderung

Das Projektgebiet hat auch für Fledermäuse grosse Bedeutung, welche durch das Vorkommen von Zwergfledermaus, Langohrfledermaus, Grossem Abendsegler und ev. sogar der Mückenfledermaus belegt wird. Zur Förderung der Fledermäuse sollen Fledermaus- Kästen angebracht werden, um den Verlust angestammter Quartiere wie Dachstöcke oder Totholz auszugleichen. Das Spektrum der Arten, welche von  den geplanten Aufwertungen im Projektgebiet direkt oder indirekt profitieren können, ist gross.

BergmolchLangohr Fledermaus
Bergmolch (links) und Langohr Fledermaus (rechts)

Fischbesatz

Durch den Einlauf und ev. den Rücklauf in die Reuss beim Hinterwasser können Fische in den Bachlauf gelangen. Das Gewässer wird ausdrücklich vom Fischregal ausgenommen, d.h. es darf nicht gefischt werden, ausser zu Pflegezwecken, z.B. für das Reinigen der Weiher. Die minimale Restwassermenge von 50 lt/sec. und die Anlage von vertieften Becken entlang des Gerinnes gewähren eine genügende Wassermenge. Die Weiher sollen im Interesse der Amphibien und Insektenlarven fischfrei gehalten werden, deshalb werden Weiher – Zuläufe nicht offen geführt, sondern mit  Steinpackungen versehen. 

Hergiswil, Grosswangen  6. Juli 2003
Die Realisatoren:
Pius Häfliger, Georges Müller

 

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